Samstag, 10. Januar 2015

Manchmal grau,manchmal sonnig,immer windig

Als ich meinen Namen verraten und ein Bild von mir zeigte, habe ich unter anderem auch über meine Vorlieben, darüber, was ich nicht mag, meine Herkunft und kleine Vorbilder geschrieben. Eine Sache habe ich vergessen. Und das, worüber ich heute schreiben will, verlangt, dass ich euch das mitteile.
Ich bin Muslima. Ich glaube an den Koran und versuche, nach den fünf Säulen zu leben und all meine religiösen Pflichten zu erfüllen. In dieser schwierigen Zeit ist es nicht einfach für einen Muslim zu sagen, dass er einer ist, einfach, weil es so viele Vorurteile, Missverständnisse und Kontroversen zu dieser, meiner, Religion gibt und man von so mancher Person gleich abgestempelt werden könnte. Manche, die diesen Blog lesen, kennen mich persönlich und wissen das natürlich schon längst, aber ich würde ehrlich gesagt zu gerne die Gesichter von euch anderen Leser sehen. Welche Meinung habt ihr? Was denkt ihr über den Islam? Was wisst ihr über den Islam? Kennt ihr einen Muslim? Dieser gesamte Post lädt dazu ein, dass ihr mir eure persönliche Meinung und eure Erfahrungen in den Kommentaren erläutert, und ich wünsche es mir auch. Das ist es nämlich - ein friedliches Zusammenleben ist nur durch Austausch möglich, indem jeder so viel wie möglich über den anderen lernt und anderen mit Respekt begegnet.
Das eigentliche Thema - oder, besser gesagt, die eigentlichen Themen - dieses Posts sollen die jüngsten Ereignisse sein. Es wissen natürlich alle, wovon ich spreche - PEGIDA und der Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo. All das lädt zu hitzigen Diskussionen über den Islam und verschiedene andere Themen wie Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Asylanten, und so weiter ein. Ich muss ehrlich sagen, dass ich zunächst sehr überfordert mit allem war und garnicht wusste, wo mir der Kopf steht. Vorallem über PEGIDA konnte ich mir bis jetzt keine eindeutige Meinung bilden, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sich der Verein weigert, mit Medien zu sprechen. Ich habe trotzdem versucht, so viel wie möglich zu erfahren und bin nicht sehr viel weiter gekommen. Diese Menschen müssen doch irgendeinen Grund für ihre Ansichten haben. Ich denke, dass es auch viele Menschen unter den PEGIDA-Anhängern gibt, die rassistische Einstellungen haben (okay, ich bin mir sogar sehr sicher), aber davon wollen sie sich ja offiziell distanzieren und es wird ja immer wieder beteuert, dass man auch andere Ziele hat, die nichts mit den Muslimen oder den Asylanten zu tun haben. Andererseits ist der Name Patriotische Europäer Gegen Islamisierung Des Abendlandes dann aber etwas schlecht gewählt. Verschiedene Schilder die gezeigt und Parolen die gerufen wurden (wie durchgestrichene Moscheen auf den Plakaten) sprechen auch nicht wirklich dafür, dass da alles richtig läuft. PEGIDA ist für mich etwas, dass ich noch nicht ganz einschätzen kann, und das macht mich ziemlich unruhig. Dass Rassisten und Nazis diese Bewegung für ihre Ziele und für Stimmungsmache missbrauchen könnten hat mich aber dazu gebracht, diese Petition zu unterschreiben. Mal sehen, was da noch kommt...
Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo hat die ganze Situation nicht wirklich beruhigt. Aber dazu habe ich eine ganz klare Meinung. Es macht mich wütender, dass irgendwelche - #sorrynotsorry -Idioten im Namen unserer friedlichen Religion Terror und Gewalt verbreiten, als irgendwelche lächerlichen Zeichnungen. Darüber sollte man als Muslim lächeln und sich nicht provozieren lassen, denn ja, die Darstellung des Propheten ist nicht erlaubt, aber das rechtfertigt in keinster Weise Mord. Ich verstehe es einfach nicht. Ich bin wirklich sauer und unendlich traurig. Alle terroristischen Akte im Namen des Islams machen mich wütend und traurig. Und ich hoffe ihr wisst und behaltet immer im Kopf, dass das nicht die wirklichen Muslime sind. Dass das eine Minderheit ist. Nicht in meinem Namen. Not in my name. Pas en mon nom.
Ich bitte euch, euch zu informieren, euch eine Meinung zu bilden. Versucht, euch über den Islam zu informieren, vielleicht kennt ihr ja Muslime, mit denen ihr reden und denen ihr eure Fragen stellen könnt. Gerne bin auch ich diese Person. Unsere Generaion ist die Zukunft - und ich hoffe, dass die friedlicher wird.

Kommentare:

  1. Erstmal möchte ich dir gerne sagen, dass ich es toll finde, dass du hier die Leute zum Nachdenken und Diskutieren anregst!
    Du hast gefragt, ob wir beziehungsweise ich Muslime kenne und ja, ich kenne Muslime. Sie sind wirklich tolle Freundinnen und ich kann mit ihnen über alles reden, sie haben ein offenes Ohr für mich und sind immer nett und freunlich, deshalb macht es mich immer sehr traurig und wütend, wenn man die Menschen einer Religion immer nur auf die negativen Personen abstuft. Jeden Tag begegnen wir Leuten mit anderen Religionen und Leuten mit anderen Nationalitäten und in meinen Augen ist das gut so, denn so haben wir die Chance, uns auszutasuchen, andere Kulturen und Bräuche kennenzulernen. Dass man Leute für ihre Religion oder Herkunft fertig macht, finde ich wirklich unfassbar. Natürlich gibt es Unterschiede in manchen Sachen, aber das ist doch nicht schlimm, das macht einen Menschen doch auch aus!
    Über PEGIDA weiß ich selbst auch nicht so viel, ich habe mich vor kurzem mit meiner Mutter darüber unterhalten, kann mir aber kein richtiges Bild davon machen, deshalb möchte und kann ich mich zu dem Thema nicht äußern.
    Ich hoffe nur, dass man die Leute, die dem Islam angehören nicht wieder in einen Topf werfen und sagen, sie seien Terroristen, denn das tut mir für alle anderen, die absolut nicht so sind wirklich leid.
    Ich hoffe, ich habe die richtigen Worte gefunden und möchte dir nochmal sagen, dass ich es wirklich toll finde, dass du dieses Thema ansprichst.
    Liebst, Emme ♥

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  2. Liebe Meryem, ich finde es klasse wie offen du damit umgehst! Nur, wenn wir alle darüber reden, miteinander sprechen, können wir alle etwas ändern, können die Welt friedlicher machen und das ist doch eigentlich das, was alle wollen! Ich begreife nicht, wie Menschen solch grausame Taten, wie in Paris passiert, durchführen können, ich begreife nicht wie Menschen monoton sich einer Gruppe anschließen können, ohne sich selbst eine Meinung gebildet zu haben und ich begreife nicht, wie viel Hass in Menschen brodeln kann. Ich hatte früher eine Freundin, die Muslima war (oder ganz bestimmt noch ist, ich hab nur kein Kontakt mehr zu ihr) und hab zu der Zeit sehr viel über die Religion gelernt, viele Fragen gestellt etc. Während wir in unserer Klasse uns intensiv mit ihrer Religion beschäftigt haben und auch andere Religionen im Konfirmandenunterricht kennen gelernt haben, hat sie sich komplett rausgehalten - kein Religionsunterricht für sie, kein einziger Besuch in der Kirche - und sei es nur, wenn ich beispielsweise iwas dort abgeholt habe und wir danach etwas machen wollten. Dies fand ich früher ein wenig seltsam, aber es war okay, weil ich sie gefragt hab und sie mir auch dazu viel erklärt hat. In ihrem Fall hatten ihre Eltern einen sehr großen Einfluss darauf, aber dies ist wohl auch in jeder Familie anders. Ich finde es traurig, dass nach diesem grausamen Anschlag alle auf jeden Muslimen zeigen und hinter vorgehaltener Hand tuscheln, dass derjenige doch sicher auch etwas böses plant - das ist ungerecht, absolut nicht fair und auch sehr falsch... Jeder Deutsche, jeder Christ und auch im allgemeinen jede Person könnte sowas tun - wenn wir in unsere Geschichtsbücher gucken oder auch in die jedes anderen Landes sieht man, dass es überall schwarze Schafe gibt...
    Wir müssen uns jetzt alle zusammen tun, müssen uns (bildlich gesehen) an den Händen fassen und zusammen für eine bessere Welt kämpfen - Alle gemeinsam, denn wenn man jeden Menschen einzeln betrachtet, unterscheiden sie sich zwar, doch zusammen sind alle gleich, alle menschlich!
    Puha.. ein langer Kommentar, aber du hast nach meiner Meinung gefragt.. :D

    Je suis Charlie!

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  3. toller text meine Liebe! finde ich gut, dass du das thema ansprichst..ich überlege es auch schon seit ein paar tagen, aber bin mir noch nicht sicher ob ich es tun soll...manchmal ist es schwer worte für solche taten zu finden ...:/

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  4. Guten Abend.
    Ein toller Text mit viel Wahrheit. :-) Ich selbst finde es überhaupt nicht schön, was dort passiert ist. Zum Thema Religion habe ich hingegen weniger zu sagen, da ich nichts glaube, außer an meine Familie und mich und Engel, nicht aber an Gott. Daher werde ich mich dazu auch nicht weiter äußern. Jeder sollte dennoch jedem seine Religion akzeptieren, so lange diese nicht grausame Ausmaße nimmt.

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  5. manchmal sollte man zu einem thema besser keine worte bemühen und einfach nur bilder sprechen lassen, die bilder von paris sagen leider vieles. möchte aber anmerken, dass es vielleicht mehr auf religionen im allgemeinen zurückzuführen is, denn auf die eine religion, die jezz überall mehr oder weniger ins visier genommen wird.
    mit menschen die aus einer geo/-topografischen herkunft des islams kommen, aber nicht gläubig sind, habe ich sehr gute erfahrungen gemacht. die stehn mit beiden beinen im leben.
    also "pegida" würde ich aus dem thema religion rausnehmen, das is allenfalls ein vorgeschobener grund/auslöser für so eine bewegung, dahinter steckt doch in toto nur die politikverdrossenheit aus 10j politik der zurückliegenden bundesregierungen unter dieser kanzlerin, wenn das die eigentliche ursache is, würde ich es begrüßen und akzeptieren.
    meine these setzte freilich voraus, dass nicht alle im bewusstsein sind, was wirklich genau hinter pegida steht. für die bedenken gegenüber ayslaufnahmen aus syrien etc. brauchte es ja keine (neue) bewegung der größenordnung, weil die bürger die davon unmittelbar betroffen waren, lautstark in medien ihre vorbehalte geäußert haben. aber auch da träfe das politikversagen zu, als wenig zu asylfragen in den letzten jahren thematisiert und kommuniziert wurde. endlich wurde die debatte eines klar regulierten einwanderungssystem in das einwanderungsland #2 weltweit, was ja ersma positiv is (politisch, ökonomisch und kulturell) wenn man struktur reinbringt, angestoßen, das war überfällig und hätte wohl au so etwa wie pegida verhindert.
    der islam is m.E. in der pflicht sich kritisch mit seiner religion auseinanderzusetzen, wieso er die plattform für solche taten bietet, und aus einer angemessenen reflektion kann die welt durchaus konsequenzen erwarten, die ein buch und/oder gott nicht länger als mordadresse gegenüber anders- oder nichtgläubige beleben. so wie die katholische kirche sich auch in ihren kontroversen grundsatzfragen bewegen muss(te). lg

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    1. übrigens hab ich mich noch nie auf meinem blog religiös geäußert, zu groß war und ist meine angst vor religiösen terroristen - das is traurig in einem land wie unserem, aber die woche gab dem wiedermal recht ;(

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    2. http://www.focus.de/politik/ausland/islamkritikerin-auf-todesliste-hirsi-ali-islam-traegt-verantwortung-fuer-den-terror_id_4394719.html (thematisch ganz passend)

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  6. Ein sehr schöner Post :)
    Ich bin selber katholisch, viele meiner Freunde sind jedoch auch Muslime. Ich sehe keinen Grund, warum ich mich gegenüber ihnen anders verhalten als sonst. Sicherlich hört man so manches erschreckendes, aber ich versuche dennoch mich auf das zu begrenzen, was ich selber kenne und weiß. Ich möchte nicht mit lauter Vorurteilen anderen Menschen gegenüber treten, andererseits ist man natürlich auch extrem vorsichtig, wie man öffentlich damit umgehen soll.

    Love,
    Christina ♥
    cinapeh.blogspot.de

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  7. Hey, ich wollte mich herzlich für deinen Komentar bedanken und dass du sehr viel komentierst freut mich sehr! ♥ Ich habe mir deinen Blog mal ein wenig durchgelesen und finde das, was du schreibst sehr spannend. Ich finde es sehr gut, wie offen du über die Religion und dich sprichst und damit umgehst! Es ist schlimm, was dort passiert ist. Ich selbst fange im Moment an, mich mit Religion zu beschäftigen. Hat aber einen anderen Grund.
    Ich kann dazu nicht viel sagen, außer dass ich deine Art und deinen Glauben toleriere :)

    ♥ hannakunterbunt.blogspot.de

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  9. Echt toller Post und schön dass du das so offen scheibst! :) Leute die damit ein Problem haben verstehe ich sowieso nicht ganz. Würde mich freuen wenn du mal bei mir vorbei schaust - bin neu.
    Liebste Grüsse
    Semira

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  10. Wunderbar, dass du offene und vor allem passende Worte zu so einem schwierigen Thema findest. Offenheit und Toleranz sind wahnsinnig wichtig, ich habe mir jetzt auch endlich mal ein paar Bücher zum Thema Islam gekauft und bin gespannt, was ich so erfahren werde – denn ehrlich gesagt: Ich habe Nachholbedarf!

    Liebe Grüße,
    Sara.

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  11. Ich finde es beeindruckend, dass du so offen über deine Gefühle bezüglich Pegida, Charlie Hebdo etc. schreibst! Und ich glaube, mit dieser Einstellung wird es dir sicherlich gelingen, eine gute Journalistin zu werden :)

    Zu deiner Frage: Ich kenne viele Muslime, mein Vater ist Islamwissenschlaftler und ich bin quasi mit dem Orient als Region, die meine Eltern sehr lieben, aufgewachsen. Der Islam begleitet mich auch schon sehr lange, ich bin selbst christlich, habe aber im Reliunterricht in der Schule zum Beispiel immer Referatsthemen bezüglich des Islams gewählt, weil es mich interessiert. Vorurteile gegenüber Muslimen nur aufgrund ihrer Religion sind schrecklich und dürfen nicht sein, denn kein einziger Mensch auf dieser Welt ist nur über seine Religion definierbar!
    Auf der anderen Seite lebe ich in einer Salafistenhochburg (Bonn) und bin so wütend darüber, dass diese Menschen es wagen, ihre terroristischen und fundamental-extremistischen Taten und Gedanken alleine mit ihrer Religion begründen! Mir fehlen Moscheeverbände, die sich von Extremisten distanzieren und mir fehlt Aufklärungsarbeit, welche der Moscheen in meiner Stadt von Salafis geleitet werden und welche nicht...

    Liebe Grüße,
    Malika

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