Freitag, 9. September 2016

Zähne zusammenbeißen - The last call

Am Mittwoch war es wieder so weit. Ich war beim Kieferchirurgen. Denn wie in diesem Post schon angekündigt, prophezeite mein Zahnarzt, dass meine unteren Weisheitszähne wohl auch raus müssten. Da dieser Post relativ gut angekommen ist, dachte ich, ich erzähle auch diesmal was so abging und was so abgeht. Denn die Erfahrung unterscheidet sich doch ein wenig.
Letztes Mal hatte ich geschrieben, dass ich unglaublich nervös war. Wie gesagt, war ich diesmal bei einem Kieferchirurgen, nicht bei einem Zahnarzt (den ich sowieso gewechselt habe, aber das ist eine andere Geschichte) und bei der "Vorbesprechung" wurden mir alle Risiken der Prozedur aufgezählt, demonstriert an der Röntgenaufnahme meines eigenen Gebisses. Die Chirurgin schilderte mir ausführlich, welche Nerven beschädigt werden könnten und zeigte mir die potenziellen Opfer auch gleich, indem sie mit ihrem Kugelschreiber auf den Bildschirm des Computers tippte. Ich versuchte mich zusammenzureißen, denn klar, zu so einem Eingriff muss alles erklärt werden, danach musste ich auch einen Vertrag unterschreiben ("Wenn du stirbst, sind nicht wir schuld") und diese ganzen Erklärungen hatten mich nicht beruhigt, im Gegenteil. Ich hatte zwar die oberen Weisheitszähne schon hinter mir, doch mir war zu Ohren gekommen dass die unteren Weisheitszähne ein anderes Level sind. Nachdem der erste Termin (Überraschung, schon wieder) verschoben wurde, war es dann diesen Mittwoch soweit, und zu meinem Entsetzen empfing mich nicht die mir vertraute Chirurgin mit der beruhigenden Stimme und der Neigung zu der Phrase "...sag ich mal so". Nein. Es empfing mich ein Mann. Er war ziemlich schlaksig. Moderne Kids würden ihn vielleicht als "Lauch" bezeichnen. Aber so weit möchte ich gar nicht gehen. Er war also der Typ, der mir die Oschis aus dem Mund zerren würde. Mein Vertrauen und meine anfängliche Sicherheit waren damit verschwunden. Wie von der eigentlichen Chirurgin empfohlen, hatte ich mein Handy und meine Kopfhörer mitgebracht, um laut Musik zu hören und alles um mich herum auszublenden. Anfangs fand ich diese Idee gar nicht unbedingt so toll, weil ich, was das angeht, ein ziemlicher Kontrollfreak bin. Ich möchte genau sehen, wann die Spritze in mein Zahnfleisch gesteckt wird und wann ich mich auf Schmerzen vorbereiten muss, wenn ihr wisst, was ich meine. Doch als ich Dr. Lauch erblickte, fertigte ich mir sogleich eine Playlist eigens für diesen Eingriff an und nannte sie hektisch "ZÄHNE". Hinein in diese Playlist kam so ziemlich alles, was mein Inventar an lautem (Punk-)Rock hergab. Gewappnet begab ich mich also an den Ort des Geschehens und mir wurde zunächst nur eine Seite betäubt, danach musste ich mich wieder raussetzen. Ich spürte, wie meine Lippe immer dicker wurde (nein, sie wurde nicht dicker) und irgendwann spürte ich gar nichts mehr. Ich spielte also ein bisschen an meiner Unterlippe herum und schickte bescheuerte Snaps an meine Freunde, bevor der Zahn auf der einen Seite entfernt werden sollte. Ich setze mich auf den Stuhl und drehte die Musik sehr laut auf "Darf ich fragen was du hörst?" fragte mich Dr. Lauch, seine Instrumente in der Hand. "Punk." "Ohh, hörst du auch alten Punk, Sex Pistols und sowas?" "Jajajajaja" (Neinneinnein, actually.) Mir war wirkich nicht nach Smalltalk, auch wenn es vielleicht lieb gemeint war. Long story short, ich habe (wieder) nichts gespürt, auch auf der anderen Seite nicht. Nur das Nähen war in der Hinsicht unangenehm, weil ich sehen konnte, wie auf einmal ein Faden aus meinem Mund gezogen wurde und ich wusste, dass er durch mein Zahnfleisch gezogen wurde - auch wenn ich nichts spürte. Funfact: Eigentlich wollte ich mich gar nicht so lange mit der Prozedur selbst in diesem Post beschäftigen. Denn lustiger ist eigentlich, wie ich es mir danach ging bzw. geht. Ich habe, im Gegensatz zu letzten Mal, Schmerzen. Ich kann nichts festes essen und das bringt mich ziemlich auf die Palme. Ich habe, wie sie liebevoll genannt wurde, Hamsterbäckchen. Und wisst ihr was? Diesmal muss ich zwar kein Exposé schreiben, aber meine eigentliche Seminararbeit anfangen. Great.

Kommentare:

  1. Oh gott.. ich weiß schon warum ich damals Vollnarkose genommen hab.. ich hab zwar alle 4 auf einmal rausbekommen, hatte aber aich die Wahl.. Örtliche Betäubung kam für mich niemals, nicht mal eine Milisekunde, infrage :D
    Einfach, weil ich dieses Geruckel und gewackel am Kiefer schon beim normalen Zahnarztbesuch furchtbar finde und wenn ich gesehen hätte wie die da was rausholen oder ähnliches.. nein danke.. :D Und ich bin auch eine, die, wenn dann alles mitbekommen muss, heißt meine Zahnärztin muss mir bei normalen Besuchen auch immer erklären was sie jetzt gerade warum macht.. :D und bei den Weisheitszähnen.. da hätte ich voll Panik geschiben :D
    Hamsterbäckchen hatte ich nur ganz leicht und das auc nur wegen den unteren Zähnen und essen konnte ich glücklicherweise relativ schnell wieder was - zwar länger alles durchgematscht, aber ich für meinen Teil hasse Babybrei. :D
    Liebe Grüße

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  2. halte durch :(( gute besserung girl & vielen lieben dank für dein kommentar!

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  3. Ich wünsche dir gut Besserung meine liebe. Sicherlich bist du ganz bald wieder fit :) Ich kann mich noch zu gut an meine Weisheitszahn Op erinnern. Meistens verheilt es aber relativ schnell :)

    Liebe Grüße :)
    Measlychocolate by Patty

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  4. Hallo Maus danke dir <3
    oh ja, und ich bin was das thema angeht eine wahre expertin.
    also nicht wie man haare super stylt oder schöne haare hathahaha
    sondern wie man sie zerstörrt und jetzt auch wie man es dann doch wieder "hin bekommt"

    alles Liebe deine AMELY ROSE

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  5. Oh, du Arme – das ist fies! :( Bei mir steht Ende November auch eine OP an und ich könnte jetzt schon ausflippen, wenn ich an die Schonkost und das ganze Rumliegen denke. :D

    Liebe Grüße,
    Sara

    www.saritschka.com

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  6. Meine Weisheitszahn-OP war total schlimm. Drei Tage nur Saft und Tee und dann langsam festeres Essen...bin froh, dass die nun alle raus sind. :-)

    -Kati

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