Freitag, 4. November 2016

Was ist das für 1 Sprache?

(Hallo ihr kleinen süßen Zuckermäuschen. Bin ich nicht nett? Da ich momentan ziemlich stressige Zeiten durchlebe und nicht wirklich zum Bloggen komme, dachte ich, ich teile einfach mal ein Essay mit euch, das ich für die Schule schreiben musste. Ich habe mich beim Schreiben ein bisschen ausgetobt und mir vorgestellt, ich würde einen Blogeintrag schreiben #funfact. Vielleicht habt ihr ja Spaß damit. Ganz bald kommen wieder reguläre Posts.)
Ich sitze im Bus. Die Kopfhörer aufgesetzt, das Handy in der Hand. Niemand weiß, dass mein Akku leer ist. Niemand weiß, dass meine aufgesetzten Kopfhörer nur Tarnung sind – stört mich nicht, sprecht mich nicht an. Unvermeidbar höre ich die Geräuschkulisse des Busses um mich herum. Ein ständiges Brummen beim Dahintuckern des Personenbeförderungsgerätes. Sonst - Stimmen. Ich sitze natürlich alleine, die Kopfhörer sind ein universaler Abwehrschild, ein Zeichen, das jeder versteht. Trotzdem nehme ich die anderen Fahrgäste um mich herum war. Dort vorne ein älterer Herr, der öfter mit dem Tuckergerät zu fahren scheint -  er unterhält sich angeregt mit dem Busfahrer - in der gleichen Reihe neben mir eine Mutter,  die sich mit ihrem schätzungsweise zu jungen Sohn Jeremy unterhält, ein paar Reihen hinter mir eine Gruppe von Jungs und Mädchen in meinem Alter, oder auch ein wenig jünger, die sich wichtig über Themen unterhalten, von denen sie noch nicht ahnen, wie unwichtig sie sind. Wie jeder andere unsoziale Mensch ohne Musik im Ohr auch, lausche ich den Konversationen meiner Mitfahrer. Der mitfahrende Opi vorne scheint aufgebraucht. Er echauffiert sich ausführlich und in gehobener Lautstärke über die Jugend heutzutage. Wie langweilig. Wie abgestanden. "Allein schon wie die reden!", meint er gerade, die vor lauter Aufregung aus dem Mund gelangten Speicheltröpfchen sehe ich gefühlt in Zeitlupe dahinschweben, während der ältere Herr wild gestikuliert. Da ich sowieso nichts anderes mit mir anzufangen weiß, beginne ich nachzudenken. Wieso geht dieser Mann bei seiner Kritik auf die Sprache unserer Generation ein? Was sagt sie über uns aus? Gibt es überhaupt so etwas wie "die Sprache unserer Generation"? Was ist schon Jugendsprache? Fest steht, dass Sprache und Veränderung der Sprache schon immer in der Kritik standen. Schon 1891 meinte Gustav Wustmann in seinem Buch "Allerhand Sprachdummheiten" (schon sehr bezeichnend) die "Ausländerei" angreifen zu müssen - "Engländernachäfferei" ist für ihn wohl ein No-Go - und er kritisiert die Zeitungen, denn die Pressefreiheit brachte für ihn "ein Überangebot, das zur Verwilderung führt". Kann einem bekannt vorkommen. Wenn man diese Kritik in die heutige Zeit überträgt, lassen sich einige Parallelen erkennen. Noch immer hat der Deutsche Angst vor dem Sprachverfall wegen dem Einfluss anderer Sprachen, noch immer werden neue Medien angeklagt, beispielsweise wegen der sich verändernden Kommunikation  durch immer neue Abkürzungen und Vokabeln. 
Mein Blick schweift zu der jungen Mutter neben mir. "Haste den Wau-Wau gesehen Jeremy? War ein süßer Wau-Wau Jery, wa?" Ich überlege, ob Jeremy überhaupt schon genug Synapsen besitzt, um zu verarbeiten, was seine Mutti ihm gerade mitteilen wollte. Falls ja - wird er diesen unheimlichen Sprachgebrauch übernehmen? Ist die Sprache Sache des Elternhauses? Viele Deutsche scheinen so zu denken. Es werde immer weniger Wert auf eine "gute Ausdrucksweise" gelegt, vorallem im Elternhaus, der Schule und in den Medien. Aber was ist diese "gute Ausdrucksweise", die hier vermisst wird? Kann man überhaupt von Verfall der Sprache sprechen, oder ist es vielmehr eine Weiterentwicklung der Sprache? Dieser Meinung ist Prof. Rudi Keller von der Uni Düsseldorf. Er erklärte in seinem Vortrag, dass sprachliche Fehler bzw. Übertretungen sprachlicher Konventionen aufhören, Fehler zu sein, wenn sie zum "allgemeinen Usus" geworden sind. Heißt konkret: Was heute noch komisch klingt, könnte morgen zur Regel werden. Schon eine lustige Vorstellung. Die Jugend von heute als Jugend von gestern, die ihren Sprachgebrauch durchgesetzt hat und sich über die aktuellen Entwicklungen der Sprache beschwert. Ein nicht endender Kreislauf. Vielleicht auch, weil speziell Jugendsprache schon immer existierte und wohl auch immer existieren wird - als Protest und zur Abgrenzung von den langweiligen Erwachsenen. Ob ein Jugendlicher vor jedem "Alter" über den Protestaspekt  seiner Ausdrucksweise nachdenkt, bleibt fraglich. Fest steht, dass diese Ausdrucksweise immer in der Kritik stehen wird.

1 Kommentar:

  1. neologistische Jugendsprache = Umgangssprache
    allgemein verständliche Sprache = Bildungssprache
    ..selbst obsolete Sprache gibt es übrigens, doch verschwinden alte Wörter nicht aus dem Duden, bekommen lediglich ihr Vermerk "veraltet" & neue Wörter werden nur sehr restriktiv aufgenommen, vll. aus Angst vor einem Sprachverfall? Wichtig: Sprache ist keine Frage des Alters, sondern der Bildung, ihr Wert wird (oder sollte) also daran, und nicht an Jugend, gemessen (werden)..

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