Sonntag, 9. Juli 2017

Musik*Platten - alte und neue Liebe

Ja, es war mal wieder Zeit. Mit dem letzten Plattenpost habe ich euch im Dezember beglückt. Seitdem war ich natürlich weiterhin fleißig auf der Suche nach neuen Schätzen, aber in den letzten Monaten hatte ich sehr viele andere Dinge im Kopf und eigentlich auch wenig Zeit, um in einen Plattenladen zu spazieren. Ich habe nun aber die wunderbare amazon-App entdeckt. Diese App ist sehr gefährlich für mein Konto. Ein Klick, und du hast dir etwas bestellt. Das führte unter anderem auch dazu, dass ich eines Abends in meinem Bett lag, the Smiths hörte und das Album "Louder Than Bombs" huldigte. Und huldigen bedeutet fast immer, dass ich dieses Album auf Vinyl haben möchte. Also checkte ich, ob es das Album bei amazon gibt. Und dann habe ich es spontan bestellt. Genauso wie "The Score" von den Fugees und "III" von Moderat. Oopsie doodle!

Moderat - III Mein Musikgeschmack ist ziemlich bunt gemischt, und so kommt es, dass ich auch ab und zu Elektro höre. Wenn mir danach ist höre ich gern mal Künstler wie Kölsch, die Kalkbrenner-Brüder, Modeselektor oder eben auch Moderat (Moderat besteht by the way aus Modeselektor und einem anderen Musiker, Apparat). Ich konnte mich kaum entscheiden, welches Album von Moderat ich bestellen möchte, aber schließlich habe ich mich für "III" entschieden, weil auf diesem Album "Reminder" ist - unter anderem mein Lieblingssong von Moderat. "Eating Hooks", "Running", "Finder" und "Ghostmother" auf der A-Seite, "Reminder", "The Fool", "Intruder" und "Ethereal" auf der B-Seite.

Fugees - The Score Die Fugees dürften viele von euch kennen. Ich hoffe es. Zumindest "Killing me softly" gehört doch zur Allgemeinbildung, oder? Ich bin dank meinen Eltern mit den Fugees aufgewachsen und verbinde dementsprechend viel mit ihren Songs. Als ich die eine Platte zum ersten Mal gehört habe (Seite B, Fu-Gee-La) hatte ich ziemliche Gänsehaut. Ich liebe dieses Album jetzt schon und werde es mit ziemlicher Sicherheit hoch und runter hören. Erste Platte: "Red Intro", "How many Mics", "Ready or Not", "Zealots" und "The Beast" auf der A-Seite, "Fu-Gee-La", "Family Business" und "Killing me softly" auf der B-Seite. Zweite Platte: "The Score", "The Mask" und "Cowboys" auf der A-Seite, "No Woman, No Cry" und "Manifest/Outro" auf der B-Seite.
















The Smiths - Louder Than Bombs Die Smiths sind eine Band, die irgendwas in mir auslöst. Wenn ich die Stimme von Morrissey höre, macht mich das irgendwie glücklich, melancholisch und alles zusammen. Auch hier konnte ich mich kaum für ein Album entscheiden, aber "Louder Than Bombs" erschien mir dann doch als das perfekte erste Smiths-Album, aus dem gleichen Grund wie bei Moderat - es enthält meine Lieblingslieder. Erste Platte: "Is It Really So Strange?", "Sheila Take A Bow", "Shoplifters Of The World Unite", "Sweet And Tender Hooligan", "Half A Person" und "London" auf der A-Seite, "Panic", "Girl Afraid", "Shakespeares's Sister", "William, It Was Really Nothing", "You Just Haven't Earned It Yet, Baby" und "Heaven Knows I'm Miserable Now" auf der B-Seite. Zweite Platte: "Ask", "Golden Lights", "Oscillate Wildly", "These Things Take Time", "Rubber Ring" und "Back To The Old House" auf der A-Seite, "Hand In Glove", "Stretch Out And Wait", "Please Please Please Let Me Get What I Want", "This Night Has Opened My Eyes", "Unloveable" und "Asleep" auf der B-Seite.


Sonntag, 2. Juli 2017

Zugfahren (und das ist keine schlaue Metapher)

Hey ihr! Ratet wer Abitur hat! Jaha, ich habe überlebt, ich habe bestanden, und das heißt, ich kann euch jetzt in Ruhe weiter nerven, yuhu! Die letzten Wochen und Monate waren unglaublich nervenbelastend und auch irgendwie aufregend. Man wusste nicht, was auf einen zukommt. Man war nervös. Man hat sich auf die baldige Freiheit gefreut. Und jetzt - jetzt ist es vorbei. Und es ist genau die Zeit, die ich herbeigesehnt, aber vor der ich mich auch irgendwie gefürchtet habe. Ich habe keine (schulischen) Verpflichtungen mehr, ich stehe nicht mehr unter Leistungsdruck, ich fühle mich in gewisser Weise befreit. Es ist wirklich eigenartig, nach 12 Jahren Schule auf einmal...weg zu sein. Kein erzwungener Rhythmus mehr. Freiheit. Zu viel Freiheit? Ungewohnte Freiheit. Dieser Sommer wird der unbeschwerteste, den ich seit Jahren hatte. Permanenter Druck war die letzten Jahre normal für viele von uns (ob das so normal bzw. okay ist, könnte man ja mal überdenken. Danke G8, hihi!). Und jetzt können wir ohne schlechtes Gewissen nichts tun. Oder alles. Die meisten suchen erstmal das Weite. Ich fliege dieses Jahr auch noch ans Meer, aber erstmal hatte ich letzte Woche meine Freundin Valentina in Passau besucht. Wir führen quasi eine "Fernbeziehung" - das letzte Mal hatten wir uns vor Monaten gesehen. Ich habe die Zeit sehr genossen und auch einen kleinen Einblick in das Studentenleben bekommen (not bad, not bad)...ich hoffe wir sehen uns bald wieder Valen, hehe.
Ich könnte jetzt natürlich noch weiter über das Ende der Schulzeit philosophieren und melancholisch werden und mich bei euch ausheulen, aber die Wahrheit ist, dass ich nicht melancholisch bin. Es fühlt sich so an, als hätte ich einfach Ferien und bald fängt alles wieder an. Und ich sehe die ganzen Leute wieder. Und mein normaler Rhythmus kehrt zurück. Dieses Ende realisiere ich wohl erst, wenn ich anfange zu studieren. Aber nein, ich werde jetzt nichts melancholisches schreiben (vielleicht ja später irgendwann, wenn mir danach ist?). Stattdessen berichte ich euch jetzt von meiner Zugfahrt nach Hause. Denn das ist ja, was euch brennend interessiert, oder? Choci in der Bummelbahn! Juhu! Spannung! Ich musste umsteigen und saß in meinem letzten Zug, noch ca. eine Stunde zu fahren. Normalerweise habe ich mich immer ans Fenster gesetzt und meine Tasche auf dem anderen Sitz platziert, damit ich ja alleine und unsozial bleiben konnte (hat nicht immer geklappt). Dieses eine Mal habe ich es dann aber gewagt, mich in einen Vierer zu setzten, einfach, weil ich vorwärts fahren wollte. Erst war ich alleine. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Doch bald gesellten sich zwei geschäftige Frauen mittleren Alters zu mir, die fragten, ob sie denn Platz nehmen dürften. Alles in mir schrie LAUF WEG, aber ich sagte "ja, natürlich :)" und machte brav Platz. Und so fing es an. Ich hörte natürlich die ganze Zugfahrt lang Musik. Aber irgendwann, als sich die Frauen lautstark unterhielten und wild gestikulierten, drehte ich die Musik immer leiser (hatte die Kopfhörer aber als mein Alibi immernoch an). Irgendwann öffnete ich die "Notizen"- App auf meinem Handy und notierte mit, einfach, weil ich diese Frauen sehr, sehr witzig fand und quasi schon im Kopf diesen Blogpost schrieb.
Als diese beiden Frauen sich neben mich setzten, ließ sich schnell eine Hierarchie feststellen. Um den Verlauf dieser Geschichte zu erleichtern, möchte ich den beiden Damen Namen geben. Die ranghöhere der beiden möchte ich Elisabeth nennen, weil sie die Queen der beiden war (ha...ha!). Sie gab im Gespräch den Ton an und war sehr von sich und ihrer Meinung überzeugt. Ihr gegenüber (und neben mir) saß Hildegard (dafür habe ich leider keine schlüssige, witzige Erklärung, sorry), die Elisabeth bewunderte und sie die ganze Zeit über erwartungsvoll ansah (ich hoffe, mein zukünftiger Ehemann sieht mich einmal so ehrfürchtig an wie Hildegard Elisabeth #relationshipgoals). Hildegard und Elisabeth waren es offensichtlich nicht gewohnt, mit einem Regionalzug zu fahren. Sie fuhren lieber mit dem ICE. Doch leider hatte dieser wohl Verspätung, sodass sie mit dieser mickrigen Bahn fahren mussten. Sie taten mir schon ein bisschen Leid. Okay, eigentlich kein bisschen. Sie echauffierten sich in gehobener Lautstärke über die Deutsche Bahn und schmiedeten einen teuflischen Plan. "Ich werd denen einen Text schreiben, glaub mir", drohte Elisabeth mit gehobenem Zeigefinger. "Da beschwer ich mich. Ich habe mich schonmal beschwert, und dann..." (sie senkte ihre Stimme) "...habe ich ein paar Fahrten in der 1. Klasse spendiert bekommen." Sie nickte daraufhin und unterstrich so ihre klugen Gedankengänge, sich selbst sehr bewusst, wie pfiffig sie ist. Hildegards Augen weiteten sich vor Ehrfurcht. "Kopier mir des dann, dann schick ich des auch hin! Des mach ma!" Ich erwartete eigentlich, dass sie gleich aufspringen und ein wenig Konfetti in die Luft werfen würde. Leider nicht. Aber ich habe genau gesehen, wie aufgeregt Hildegard auf ihrem Sitz herumrutschte. Just let it go, Hildegard! Unterwerfe dich deinen Gefühlen! Doch anstatt ausbrechender Gefühle kehrte erstmal Normalität ein. Elisabeth holte ihr Smartphone heraus und scrollte offensichtlich durch Facebook. Dabei entdeckte sie ein Katzenvideo. Sofort hatte sie eine witzige Anekdote parat und ihr schmaler Mund kräuselte sich zu einem kecken Lächeln. "Unsere Schmusi (wieso), wenn sie sich erschrickt, das ist ja sooo witzig. Die springt richtig auf, wenn ihr irgendwas nicht koscher ist! Hihi!" Hildegard kicherte mit vorgehaltenem Mund (Sitte muss sein!), denn Elisabeth hatten einen witzigen Witz gemacht. Sie erzählte daraufhin von ihrer eigenen Katze, die natürlich genau das selbe Verhalten aufweist und auch sehr witzig ist. Auf einmal stand Elisabeth auf und fotografierte aus dem Fenster die vorbeirasende Landschaft (vermutlich für ihre Facebook-Fans). Das brachte Hidegard auf einen Gedanken. "Ach letztens, das Foto, das du auf Facebook gestellt hast, das war ja wirklich toll! Ich glaube, da habe ich dir ein Like gegeben" Elisabeth lächelte selbstbewusst (sie hatte eigentlich die ganze Zeit ein selbstsicheres Lächeln aufgesetzt, diese Art von Lächeln, die man am liebsten sanft mit einem Ziegelstein aus dem Gesicht streicheln würde). Aber Hildegard war noch nicht fertig. "Ich finde wirklich, du kannst einfach super fotografieren! Du solltest mehr ins Internet stellen!" Elisabeth nickte wissend und sagte leise (weil sie offensichtlich eine bescheidene Persönlichkeit ist) "Ja ich weiß schon. Mal sehen, vielleicht komme ich bald wieder dazu." Es wunderte mich nicht, dass sie nicht errötete. Sie war sich ihres Talentes natürlich durchaus bewusst. Danach wurde es wieder ruhiger (okay, eigentlich nicht. Ich machte die Musik nur wieder lauter, weil es um uninteressante Familienangelegenheiten ging, die mir nicht witzig genug waren), und irgendwann, nach einer halben Ewigkeit, hatten wir fast die Endstation erreicht. Das erkannte natürlich auch Elisabeth. "Wir sind auf der Zielgeraden! Eeeendlich!" Ihr Körper vibrierte förmlich vor Aufregung und Adrenalin! "Wir haben die Deutsche Bahn überlebt, ha ha ha!" Hildegard fiel in ihr schallendes Gelächter ein. "Da müssten wir ja fast ein Selfie machen und das hochladen. Und dann schreiben wir drunter: 'Wir haben eine aufregende Fahrt mit vielen Hindernissen mit der DB überlebt', ha ha ha!" Elisabeth fand diese Idee auch klasse. Und so gaben sich diese beiden Damen ein Highfive und feierten sich. Ich war fast ein bisschen traurig, als die Zugfahrt zu Ende war. Die kessen Damen erhoben sich von ihren Plätzen und eilten hinaus, und ich natürlich auch. Wer weiß, was sie vorhatten. Wer weiß, wo sie landen werden. Vielleicht begegnen wir uns wieder, Elisabeth und Hildegard. I loved to be entertainted by you.

P.S.: Das war ein sehr langer Blogpost, aber ich habe ja auch länger nicht mehr geschrieben. Da bin ich wohl ein wenig eskaliert. Aber ist doch nicht schlecht, oder?